Professor Dr. Takashi OSHIO in Düsseldorf

Vortragsveranstaltung am 19. Juni 2009

Am Freitag, dem 19. Juni 2009, erwartete Goethe-Freunde, Wissenschaftler und Vertreter deutsch-japanischer Einrichtungen ab 15 Uhr in der Residenz des japanischen Generalkonsuls ein besonderer Vortrag. Professor Dr. Takashi OSHIO, renommierter Germanist und Goethe-Forscher, sprach auf Einladung des Generalkonsuls vor rund 40 geladenen Gästen über das Thema „Goethe und die Japaner“.


Professor OSHIO (links) mit Generalkonsul Shin MARUO
© Japanisches Generalkonsulat

Wie Generalkonsul Shin MARUO in seiner Begrüßung hervorhob, hat sich Professor Oshio nicht nur durch seine Lehrtätigkeit (an den Universitäten Tôkyô und Marburg, der Chûô Universität Tôkyô etc.) sowie durch seine wissenschaftlichen Publikationen (z.B. „Faust, der europäische Mensch“) und die Übertragung von Goethe-Gedichten ins Japanische einen Namen gemacht. Vielmehr förderte Professor Oshio das Verständnis und die Freundschaft zwischen Deutschland und Japan durch seine befruchtende Tätigkeit als Direktor des Japanischen Kulturinstituts in Köln. Darüber hinaus prägte er eine ganze Generation von Deutsch lernenden Japanern durch seinen 18 Jahre vom staatlichen Fernsehsender NHK ausgestrahlten Deutschkurs ("Doitsugo kôza"), so dass man von einer „Ära Oshio“ sprechen kann.


© Japanisches Generalkonsulat

In den Mittelpunkt seines Vortrags stellte Professor Oshio das berühmte Goethe-Gedicht „Wandrers Nachtlied“, dass dieser am 6. September 1780 auf dem Berg Kickelhahn bei Ilmenau verfasste. Zu Beginn zitierte er eine englische Übersetzung des Gedichts und erläuterte die Bedeutung Goethes als deutscher und europäischer Dichter. Er zeigte auf, dass die deutsche und die japanische Sprache in der Lage seien, das „Ganze“ der Natur spüren zu lassen, ohne – wie im Englischen – alle Details bis ins Kleinste benennen zu müssen. Goethe stehe den Japanern noch heute sehr nahe , stehe in der Beliebtheit neben Shakespeare und MATSUO Bashô. Ein Grund dafür bestehe darin, dass für Japaner bei Goethe das Menschliche, die Einheit von Natur und Mensch werde. Als Naturforscher habe er die Einheit der Schöpfung gesehen und an die Liebe zur Natur appelliert.

Goethe sei zudem dem realen Leben als Politiker und Verwaltungsbeamter eng verbunden gewesen. Zwar sei ihm durchaus nicht alles gelungen, doch von Bedeutung sei, dass Goethe nicht nur ein Sprachkünstler war, sondern sich in begrenztem Maße auch konkret für das Wohl der Menschen eingesetzt habe. Goethe sei vielfältig gewesen, oft gescheitert und voller menschlicher Schwächen, doch stets sei er am Mitmenschen interessiert gewesen. Sowohl sein Leben als auch seine Dichtung zeichne sich durch Heiterkeit und Fröhlichkeit aus.


© Japanisches Generalkonsulat

Professor Oshio erläuterte die Entstehung von „Wandrers Nachtlied“, stellte einzelne Passagen und ihre Bedeutung vor und zeigte auf, inwieweit sie für Japaner verständlich oder schwer übersetzbar waren. Er befasste sich mit dem Naturempfinden, das in diesem Gedicht zum Ausdruck kommt, und verglich mit Hilfe des berühmten Krähen-Gedichts von MATSUO Bashô die deutsche Vorstellung von Mensch und Natur mit dem japanischen Naturverständnis. Wenn ein japanischer Dichter dichte, sei es nicht erforderlich, den Menschen explizit zu nennen, anders als in der europäischen Literatur. Auch zog Professor Oshio Parallelen zwischen beiden Dichtern als Wortkomponisten. Wie er betonte, könne man von Goethe lernen, neben der Vernunft auch alle anderen menschlichen Organe zu nutzen.


Yasuo INADOME (links) und Professor Dr. Dr.h.c. Volkmar Hansen (rechts) in der Diskussion
© Japanisches Generalkonsulat

Nach dem Vortrag diskutierte Professor Oshio mit den Zuhörern, u.a. mit Yasuo INADOME (Vorstandsmitglied der Deutsch-Japanischen Gesellschaft am Niederrhein), Professor Dr. Wilhelm Voßkamp (Professor für Germanistik an der Universität zu Köln) und Professor Dr. Dr.h.c. Volkmar Hansen (Direktor des Goethe-Museums Düsseldorf). Er befasste sich mit Goethe als Christ, mit dem Unterschied zwischen Goethe und Thomas Mann, dessen Frau Katja Mann Professor Oshio noch persönlich kennen gelernt hatte, und trug abschließend die unvollendet gebliebene Schubert-Vertonung von „Wandrers Nachtlied“ vor. Danach nutzten die Zuhörer die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch mit dem Referenten, angeregt durch Professor Oshios humorvolle, kundige und detailreiche Goethe-Interpretation aus japanischer Perspektive.

In den darauf folgenden Tagen hielt Professor Oshio überdies zwei weitere Vorträge am 20. Juni 2009 um 14:00 Uhr im Japanischen Club Düsseldorf (Thema „An der schönen Ruhr“) und am 23. Juni 2009 um 12:30 Uhr auf Einladung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft am Niederrhein im Industrie-Club Düsseldorf (Thema „Im Anfang war das Wort“).

 

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