DAIKU - Beethovens 9. Symphonie in Japan am 28. Juni 2018

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Bereits bei der Uraufführung im Jahre 1824 zeichnete sich ab, was Beethovens 9. Symphonie op. 125 für die Musikgeschichte bedeutete - als ein ganz neuartiges Werk, das erstmals die menschliche Stimme in die Symphonik integrierte. Ungewöhnlich ist auch die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte.

In Japan wiederum wurde Beethovens 9. Symphonie (auf Japanisch „Daiku“, die „Neunte“) erstmals am 1. Juni 1918 aufgeführt - und dies unter denkwürdigen Umständen: Es waren deutsche Kriegsgefangene, die - Anfang des Ersten Weltkriegs in der Schlacht um Tsingtau im Pachtgebiet Kiautschou in China in japanische Gefangenschaft geraten - im Lager Bando nahe der Stadt Naruto (Präfektur Tokushima) alle vier Sätze der „Neunten“ als „2. Sinfonie-Konzert des Tokushima-Orchesters“ mit 80-köpfigem Chor zu Gehör brachten. Für sie war der 4. Satz mit der Textzeile „Alle Menschen werden Brüder“ von persönlicher Bedeutung. Denn die Kriegsgefangenen erfuhren im Lager Bando dank des Entgegenkommens des Lagerkommandanten Toyohisa Matsue und des Lagerpersonals eine sehr humane Behandlung; in begrenztem Rahmen war sogar ein Austausch mit der einheimischen Bevölkerung möglich.

Heutzutage wird die „Neunte“ in Japan gerade zum Jahresende gern und in großer Besetzung aufgeführt und ist inzwischen fester Bestandteil des japanischen Jahresbrauchtums. Und in Europa ist die „Ode an die Freude“ im Zuge der europäischen Einigung zur „Europäischen Hymne“ geworden, die die Ideale von Freiheit, Frieden und Solidarität zum Ausdruck bringt, sodass die „Neunte“ mittlerweile häufig bei Zeremonien und Festakten erklingt.

Dr. Beate Angelika Kraus (Beethoven-Haus Bonn) gibt von musikwissenschaftlicher Seite Einblicke in die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte dieses Werkes, aktuell ergänzt durch Eindrücke von ihrer Japanreise anlässlich der Jubiläumsaufführung der „Neunten“ in Naruto am 1. Juni 2018. Anschließend erklingen Teile des Werkes in einer wenig bekannten historischen Bearbeitung für Violine und Klavier von Friedrich Hermann, gespielt durch japanische Studierende der Hochschule für Musik und Tanz Köln.
Referentin
Dr. Beate Angelika Kraus
Beethoven-Archiv |
Beethoven-Haus Bonn
Musikerinnen
Yuko Matsumoto | Violine
Atsuko Ota | Klavier
Ort
Beethoven-Haus Bonn • Kammermusiksaal Hermann J. Abs
Bonngasse 24-26 | 53111 Bonn
Veranstalter
Beethoven-Haus Bonn in Kooperation mit:
Deutsch-Japanische Gesellschaft Bonn e.V.
Hochschule für Musik und Tanz Köln
Japanisches Generalkonsulat Düsseldorf
Japanisches Kulturinstitut Köln (The Japan Foundation)

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