Grußwort des Generalkonsuls Ryuta MIZUUCHI

beim Empfang anlässlich des Geburtstages des japanischen Kaisers am Freitag, dem 2. Dezember 2016, um 18 Uhr im Hotel Nikko

Sehr geehrter Herr Minister Duin,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Geisel,
verehrte Mitglieder des Bundes- und Landtags,
sehr geehrte Landräte, Oberbürgermeister/Innen, Bürgermeister/Innen aus ganz NRW,
liebe Kolleginnen und Kollegen des konsularischen Korps,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

 
anlässlich des Geburtstages seiner Majestät, des Kaisers von Japan, darf ich Sie alle herzlich begrüßen und Ihnen dafür danken, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind. Seine Majestät wird am 23. Dezember 83 Jahre alt.

Als vor mehr als 50 Jahren die Japanische Gemeinde hier in Düsseldorf entstand, lebte hier auch meine Frau – als Kind und Nachwuchs eines japanischen Geschäftsführers. Mit ihr verstehe ich mich daher als „Japaner in Düsseldorf 2.0“. Die Damen des Sakura-Chors, die letztes Jahr auf dieser Bühne gesungen haben, würde ich als „Japaner 1.5“ bezeichnen. Die zwei jungen Damen, die gerade Anime-Songs gesungen haben, sind praktisch die Generation „3.0“. Sie sind Hybriden, die durchaus eine gelungene interkulturelle Kreuzung vorweisen. Sie stehen für das harmonische Zusammenleben der Japaner und Deutschen in NRW. (Applaus bitte für die jungen Damen!) Was sie neben den Anime-Songs drauf haben, werden wir gleich sehen, wenn sie die japanische und die deutsche Nationalhymne für und mit uns singen.

Nun, dieses Jahr beging die Japanische Industrie- und Handelskammer im Juni ihr 50-jähriges Bestehen, im August wurde 70 Jahre NRW gefeiert. Es war eine gute Gelegenheit, um mehr über die Geschichte von NRW, sowie dessen Begegnung und Austausch mit der japanischen Community zu lernen. Eine dieser Erkenntnisse war, dass Japan und NRW nicht erst seit den letzten 50 Jahren verbunden sind, sondern diese Verbindung über eine Zeitspanne von mehr als 300 Jahren, also auf das 17. Jahrhundert zurückzuführen ist. Ein Lipper aus Lemgo, Engelbert Kaempfer, kam nämlich bereits im Jahr 1690 nach Nagasaki.

Rückblickend liegt vieles hinter uns, und dabei konnten viele Erfolge erzielt werden. Andererseits habe ich neue Aufgaben festgestellt, an denen noch einiges besser gemacht werden könnte. Darunter ist die Erkenntnis, dass die japanische Präsenz in NRW wohl zu stark auf Düsseldorf konzentriert gewesen sein mag. Eine breitere und tiefere Vernetzung landesweit wäre doch zu wünschen.

Z.B. – es gibt nur zwei Städtepartnerschaften weit und breit; die eine betrifft die bewährte Partnerschaft zwischen Kyoto und Köln. Und die andere ist eine relativ neue, die durch Meerbusch und Shijônawate bei Ôsaka seit 6 Jahren gepflegt wird. Beim Bürgermeister von Willich, Herrn Josef Heyes, und den Stadträten bedanke ich mich in diesem Zusammenhang dafür, dass dort vor kurzem ein Beschluss zur Bekundung einer Freundschaft mit Marugame in der Präfektur Kagawa verabschiedet wurde. Eine weitere Stadt im Ruhrgebiet – ich kann den Namen noch nicht verraten – ist als Nächste dran. Auch Herr Bürgermeister Schultz von Erkrath, Herr Bürgermeister Schell von Barntrup (der heute von der Lippe den weiten Weg nach Düsseldorf angereist ist) , sind sehr daran interessiert. Eine erfreuliche Entwicklung, die ich in dieser Hinsicht sehr zu schätzen weiß. Und die ich für das nächste Jahr gern verfolgen möchte.

Eine gut funktionierende Freundschaft zwischen Düsseldorf und der Präfektur Chiba darf man nicht vergessen. Ich denke, eine weitere, richtige Partnerschaft mit einer japanischen Stadt würde dazu beitragen, dass die Landeshauptstadt in Japan noch viel bekannter wird, und damit ihrem Spitznamen „Kleines Tokyo am Rhein“ noch mehr zu entsprechen.

Auch denjenigen, die sich für die Kooperation zwischen NRW und der Präfektur Fukushima eingesetzt haben, gilt meine besondere Anerkennung. Namentlich darf ich dabei Herrn Minister Duin und Umweltminister Remmel erwähnen. Dies führte auch dazu, dass nun eine bereits erwähnte, neue Städtepartnerschaft im Entstehen ist.

Was seine Majestät den Kaiser betrifft, so wurde in den Medien berichtet, dass er abzudanken gedenke. Fakt ist, er hat nicht gesagt, „ich möchte abdanken“. Als Staatsoberhaupt trägt er eine große Verantwortung. Sollte er nun aufgrund seines hohen Alters seinen Aufgaben nicht gänzlich nachkommen können, wäre dies problematisch. So hat er sich geäußert, man möge erwägen, entsprechende Überlegungen anzustellen. Verfassungsmäßig verfügt der Kaiser lediglich über eine repräsentative Befugnis. Er kann selber keine Entscheidung treffen. So verkörpert er durch seine Handlung die Institution des Kaisers einer parlamentarischen Monarchie in einem demokratischen Staatssystem – somit wird praktisch das Gegenteil vom Populismus unter Beweis gestellt.

Weltweit ereigneten sich in diesem Jahr wichtige Dinge – Brexit, der Wahlausgang in den USA, der G7 Gipfel in Japan, um nur einiges zu nennen. Im kommenden Jahr wird in NRW gewählt, dann der Bundestag. Auch Franzosen wählen ihren neuen Präsidenten. Dementsprechend sind Veränderungen in Europa zu erwarten. Blickt man nach Japan, so wird demnächst Präsident Putin Japan besuchen. Ein neuer Wind könnte aufkommen, was die Beziehungen zwischen Japan und Russland betrifft. In Ostasien bleibt die koreanische Halbinsel nach wie vor labil und unberechenbar. Die für den Weltfreihandel unerlässliche maritime Freiheit wird dort herausgefordert. Was in den USA unter einem Präsidenten Trump vor sich geht, muss man erst herausfinden. Umso wichtiger wird es sein, dass Japaner und Deutsche, die gemeinsame universale Werte, wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte teilen, Hand in Hand zusammenarbeiten, um verschiedene Probleme der Welt zu bewältigen.

Was wird ein passendes Thema für Düsseldorf und NRW sein? Brexit und seine Auswirkungen, auch EPA, kommen in Frage. Was noch – Industrie 4.0, what else? Ich würde mich sehr freuen, mit der Landesregierung, der Landeshauptstadt und all anderen Institutionen in diesen und den anderen Fragen zusammenzuarbeiten.

Im nächsten Jahr wird unser Generalkonsulat 50 Jahre alt. Wir werden unser Bestes geben, um unseren Aufgaben gerecht zu werden. Für Ihre tatkräftige Unterstützung und Zusammenarbeit wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.