Partnerschaften

Fukushima-Report Nr.3 (Herr Theisen, Coordinator for International Business, Präfektur Fukushima)

Präsentation von Fukushimas Charme in NRW


Unter den vielen Herausforderungen, denen sich die Präfektur Fukushima in Folge der Dreifachkatastrophe stellen muss, sticht eine besonders hervor: Die Wiederherstellung von Namen und Image „Fukushima“ und damit verbunden die Verbreitung detaillierter Informationen über die Präfektur, möglichst über die Landesgrenzen hinaus. Es sind vor allem unzutreffende Behauptungen oder einseitige Darstellungen, die dem Wiederaufbau der Präfektur große Steine in den Weg legen und die Region stigmatisieren. So erregte jüngst ein ausländischer Photograph, der fälschlicherweise vorgab, in gesperrte Zonen eingedrungen zu sein und so das tatsächliche, verheerende Ausmaß der Reaktorkatastrophe dokumentiert zu haben, große Aufmerksamkeit in den Medien. Mit weiteren frei erfundenen Informationen bestückt, verbreitete sich so erneut ein Zerrbild über die Präfektur, vor allem zum Ärgernis der evakuierten Bewohner.
 
Damit solche Zerrbilder und Vorurteile sich nicht unwidersprochen als Gesamtbild in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit festsetzen können, leistet die Präfektur unermüdlich Aufklärung und Bereitstellung objektiver Informationen. Ideal wäre es, wenn sich jeder Einzelne vor Ort ein eigenes Bild von der Präfektur Fukushima machen könnte. Da sich dies vor allem aufgrund der geografischen Gegebenheiten jedoch eher als wenig realistisch erweist, bemüht sich die Präfekturverwaltung, Informationen aus Fukushima nach Deutschland zu transportieren.
 
Dies geschieht ebenfalls unter anderem in enger Kooperation mit dem Land NRW. Wie wichtig dieses Anliegen der Präfektur ist, wird daran deutlich, dass Vize-Gouverneur Masaaki Suzuki persönlich im Oktober 2015 zu einem Seminar in Düsseldorf mit dem Titel „Wachstumsindustrien und Geschäftsmöglichkeiten in Fukushima“ eingeladen hat. Mit Unterstützung der vielen Partner in NRW, fanden sich bei der Veranstaltung um die 100 Interessenten ein.
Um an diesen Erfolg anzuknüpfen, wird am 01.09. diesen Jahres Vize-Gouverneur Toshiyuki Hata, auch zur Unterstützung der bestehenden Kooperation zwischen dem Universitätsklinkum Essen und dem Southern Tohoku General Hospital beim Symposium „1st NRW-Fukushima Joint Symposium on Advances in Medicine - Japanese and German Cutting Edge Technologies for Patient Care“ im Teil „Focus Fukushima“ einen Vortrag über die gegenwärtige Situation und die Zukunftspläne der Präfektur halten und anschließend zu einem Empfang einladen. Bei diesem Empfang werden auch verschieden Sakemarken aus Fukushima ausgeschenkt. Die gesamte Veranstaltung ist entgeltfrei und für alle Interessenten frei zugänglich. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit finden Sie hier:
https://veranstaltungen.uk-essen.de/japanese-and-german-cutting-edge-technologies-for-patient-care/
 
Sake ist für Fukushima ein elementarer Bestandteil zur Imageverbesserung der Präfektur. Beim „Annual Japan Sake Award“ wurden zum vierten Mal in Folge die meisten Sakemarken mit der Bestnote in Fukushima ausgezeichnet und machen in den Augen von Kennern damit Fukushima zur „Sake-Gourmet-Präfektur“ in ganz Japan. Internationale Anerkennung und Zuspruch gewann Sake aus Fukushima unter anderem beim IWC 2015 (International Wine Challenge) in London oder in NRW bei zahlreichen NRW-Fukushima-Events. Aus diesem Grund gehört Sake aus Fukushima mit weiteren traditionellen Dekorationen aus der Präfektur inzwischen auch zum festen Sortiment in einigen erstklassigen japanischen Restaurants in Düsseldorf.
 
NRW-Fukushima Joint Symposium

Sakesorten aus Fukushima die beim „Annual Sake Award Fukushima“ mit der Bestnote ausgezeichnet wurden



Sake allein bildet dabei selbstverständlich nicht den einzigen kulturellen Austausch zwischen Fukushima und Deutschland. Im Juli letzten Jahres wurde der offizielle „NRW-Fukushima-Kenjinkai“ (übersetzt: Versammlung von Personen aus der Präfektur Fukushima in NRW) im Beisein des Japanischen Generalkonsuls in Düsseldorf gegründet. Dass seitdem bei jeder Zusammenkunft auch Sake aus Fukushima gereicht wird, versteht sich zwar von selbst, jedoch dient der „Kenjinkai“ in erster Linie dem Austausch und als Anlaufstelle für Personen mit Bezug zu oder Interesse an Fukushima. Das Zusammentreffen findet in regelmäßigen Abständen statt, bei dem teilweise über 30 Teilnehmer anwesend sind und sich über ihre Erinnerungen, Erfahrungen, Eindrücke oder Wünsche austauschen. Bei den Teilnehmern handelt es sich um Personen, die in Fukushima geboren oder aufgewachsen sind, dort einen Studienaufenthalt hatten, dort berufsbedingt zeitweise gelebt haben oder einen sonstigen Bezug zu Fukushima aufweisen. Auch ich hatte bereits mehrfach die Gelegenheit, an diesem „Kenjinkai“ teilzunehmen und mehr über die schönen Seiten Fukushimas zu erfahren. Die sehr lockere und anregende Atmosphäre heißt jeden neuen Teilnehmer herzlich willkommen. 
 
Durch die vielen Teilnehmer dieser Runde hat die Präfektur Fukushima so ihre ganz eigenen „Botschafter“ und Vertreter in Deutschland. Dazu zählen auch die Messe-Teilnehmer bei der Medical Creation Fukushima oder REIF, die an verschiedenen Vorträgen als Redner von ihren Erfahrungen berichten.
Dank der Unterstützung des Japanischen Generalkonsulats, einiger Personen der JETRO und des „Kenjinkais“ war es so für die Präfekturverwaltung zum zweiten Mal in Folge möglich, auch in diesem Jahr wieder Fukushima beim JapanTag in Düsseldorf zu präsentieren.
Mit im Gepäck hatte die Delegation aus Fukushima Maskottchen und Figuren, Lackwaren, Sake, Imagefilme und verschiedene Fotoposter, die Landschaften und Touristenattraktionen, wie heiße Thermalquellen, abbildeten und ferner verschiedenes Infomaterial zur Präfektur und einen Fragebogen. Deutlich sichtbar wurde zudem mit Roll-Ups auf die enge Kooperation mit dem Land NRW hingewiesen. Der Andrang und das Interesse an diesem Tag war so enorm, dass sämtliche Fragebögen und die als kleines „Dankeschön“ verteilten „Stehaufmännchen“ aus der Präfektur uns schon am frühen Mittag ausgingen. Dass es auch viele besorgte und kritische Stimmen wegen des Reaktorunfalls gibt, wurde am Tag deutlich. Insgesamt lässt sich aber ein sehr positives und erfreuliches Fazit ziehen. Aus den Fragebögen wird sehr deutlich, dass viele der Besucher ein anderes Fukushima kennenlernen konnten, als das zuvor bei Ihnen präsente Bild, wie es Ihnen überwiegend aus einem anderen Blickwinkel durch die Medien vermittelt wurde. Durch die Präsentation des Fukushima-Standes hat sich das Bild über die gesamte Präfektur mit vielen positiveren Eindrücken erweitern können.
Es waren aber vor allem die vielen aufmunternden Worte und Kommentare der Besucher wie z.B. „All the best“ oder „Würde ich gerne mal bereisen“, die mir und unseren Helfern in Erinnerung geblieben sind und die Teilnahme am JapanTag so zu einem erfreulichen und erinnerungswürdigen Erlebnis gemacht haben. Wir möchten uns noch einmal recht herzlich bei den Veranstaltern, dem Japanischen Generalkonsulat, unseren Unterstützern und den mehreren tausend Besuchern für einen tollen JapanTag bedanken.
 
Teilnehmer des „NRW-Fukushima-Kenjinkais“ Fukushima-Stand beim JapanTag
 
Es gibt auch abseits der erwähnten Beispiele in Deutschland Möglichkeiten, mit Fukushima in Berührung zu kommen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie an entsprechenden Veranstaltungen, die nächste Gelegenheit bietet sich wie soeben erwähnt, am 1. September 2016 in Essen, teilnehmen würden und die neu gewonnenen Informationen und Eindrücke Ihrem Bild von Fukushima hinzufügen würden.
 
Link zum „NRW-Fukushima-Kenjinkai“:
http://fukushimakenjin-nrw.jimdo.com/